Familie Ginsberg 1918 © Privatbesitz Dodi ReifenbergFamilie Ginsberg 1918 © Privatbesitz, Dodi Reifenberg

Die Familie Ginsberg

Max Ginsberg besaß eine einschlägige Sammlung Islamischer Kunst

Am 20. Mai 1872 wurde Max Ginsberg in Berlin geboren. Seine Mutter Franziska Sachs (1848–1938) stammte aus Berlin und sein Vater Adolph Ginsberg (1839–1898) aus Czestochowa (Tschenstochau) in Polen. Max Ginsberg hatte drei Schwestern, Frida, Rosa und Alice und drei Brüder, Ludwig, Wilhelm und Sigmund Ginsberg. Er heiratete Henriette Sachs, die am 10.08.1875 in Berlin geboren wurde. Die Familien Ginsberg und Sachs waren mehrfach miteinander verschwägert. Henriette und Max Ginsberg bekamen drei Kinder: Adele, Adolph und Bernhard Ginsberg.

Der Sammler Dr. Max Ginsberg

Einige Jüdinnen und Juden beteiligten sich Anfang des 20. Jahrhunderts intensiv am Aufbau der Sammlung des Museums für Islamische Kunst. Der Berliner Kaufmann und Bankier Dr. Max Ginsberg (1872-1938) war einer von Ihnen. Mit diesem Film würdigt das Museum seine Person und was er für das Haus getan hat. Vor allem die Einzelausstellung „Islamische Kunst aus der Sammlung Dr. Max Ginsberg“ von 1933 und die Leihgabe eines geschnitzten Holzbretts von 1923 werden von Max Ginsberg in Erinnerung bleiben.

Das Familienunternehmen

Zunächst war die Familie Ginsberg in Schlesien in der Textilherstellung und ­verarbeitung tätig. Sie besaßen in der Region um die Städte Czestochowa, Zawiercie und Lódz Fabriken, in denen im großen Stil Stoffe produziert wurden. Nach dem Umzug nach Berlin gründeten die Ginsbergs 1866 eine Bank, die gemeinsam von Max und seinem Bruder Ludwig Ginsberg und ihrem Großneffen Herbert Ginsberg geführt wurde. Das Bankhaus Gebrüder Ginsberg war zeitweise in der Oberwallstraße 12–13 in Berlin-Mitte ansässig.

 

Neben ihren Wohnhäusern waren aber auch die Unternehmungen der deutschen Jüdinnen und Juden nicht sicher vor dem Zugriff der Nationalsozialisten und so wurde die Bank 1938 »arisiert«. Dieser Begriff aus dem Jargon der Nationalsozialisten bezeichnete eine Praxis der Bereicherung privater oder öffentlicher Personen oder Organisationen an jüdischem Besitz.

 

Auch sein Bruder Ludwig Ginsberg und sein Großneffe Herbert Ginsberg, mit denen Max das Bankhaus leitete, sammelten Kunstwerke. Ludwig Ginsberg besaß die größte private Sammlung von Menzel-Grafiken, während sich Herbert Ginsberg für ostasiatische Kunst begeisterte. Zu beiden Sammlern und ihren Sammlungen gibt es – wie seit 2021 zu Max Ginsberg auch – Projekte, die die Provenienz der Objekte erforschen.

Das Elternhaus von Max Ginsberg und die Villa Augusta

Das Elternhaus von Max Ginsberg befand sich in der Viktoriastraße 9 im noblen Berliner Tiergartenviertel. Später wohnte er in der Villa Augusta in der Brückenallee 1, ebenfalls in Berlin-Tiergarten. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, drängten sie viele Jüdinnen und Juden aus ihren Häusern. Auch Henriette und Max wurden im Herbst 1937 gezwungen ihre bessere Wohnlage aufzugeben und zu ihrer Tochter Adele und deren Ehemann Dr. Max Nothmann in die Nassauische Straße 7/8 nach Berlin-Wilmersdorf zu ziehen.

Begeisterung für Islamische Kunst

Hermann Burchardt

Ein Onkel von Henriette Sachs war der Fotograf und Forschungsreisende Hermann Burchardt (1857–1909). Burchardt bereiste viele islamisch geprägte Regionen der Welt, darunter Syrien, Palästina und der Libanon sowie die Golfregion, wo er schließlich im Jemen bei einem Überfall ums Leben kam. Und so ist es denn auch eine Möglichkeit, dass Max Ginsberg über den Onkel zu seiner Faszination für die Kunst und Kultur islamisch geprägter Regionen kam. Jedenfalls lieh er der Islamischen Abteilung – dem späteren Museum für Islamische Kunst – im Jahr 1923 ein geschnitztes Holzpaneel mit der Bitte, dieses in der Ausstellung mit dem Hinweis auf Hermann Burchardt zu versehen. Die beiden Männer dürften sich nahegestanden haben, denn nach Burchardts Tod erbte Max Ginsberg dessen Sammlung von zweitausend auf Glasplatten festgehaltenen Fotografien von dessen Reisen. Max Ginsberg wiederum schenkt dieses bedeutende ethnografische Konvolut dem Berliner Völkerkundemuseum, dem heutigen Ethnologischen Museum.

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Hermann Burchardt © gemeinfrei

Das Holzpaneel des Dr. Max Ginsberg

Die Sonderausstellung "Islamische Kunst in Berliner Privatbesitz"

Vor allem die Leihgaben erlaubten es dem Museum mit den geliehenen Objektgruppen und Kunstwerken Ausstellungen zu machen, die mit dem eigentlichen Bestand nicht möglich gewesen wären. So kam neues und mehr Publikum ins Museum und trug zu dessen Bekanntheit und Entwicklung bei. 1932 fand die Ausstellung mit dem Titel "Islamische Kunst aus Berliner Privatbesitz" im Kaiser-Friedrich-Museum, heute Bode-Museum, statt, bei der fast ausschließlich jüdische Sammlerinnen und Sammler ausstellten.

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Sonderausstellung 1932 © Zentralarchiv, Staatliche Museen zu Berlin