CulturalxCollabs: Fragment No. 17 highlighted © Museum für Islamische Kunst, Heiner BüldCulturalxCollabs: Fragment No. 17 highlighted © Museum für Islamische Kunst, Heiner Büld

Cultural x Collabs: Weaving the Future

Fragment No. 17

100 Fragmente. 100 Reisen

Dies ist ein Fragment des "CulturalxCollabs - Weaving the Future" Teppichs.

Mit dem Fragment folgen wir der Reise der Besitzer:innen und ihrer Collabs. Sie entdecken und experimentieren mit gesellschaftlich relevanten Themen, die sie auf kreative Weise vorantreiben.

Hier stellen wir Euch das Fragment vor, so wie wir es auf seine dreieinhalbjährige Reise schicken.

Folg dieser Story und erleb die Transformation des Fragments im Laufe der Jahre...

...und weiter gehts...

...mit Elisa Georgi...

Fragment 17 ist im ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik angekommen – einem Ort, der selbst von Bewegung, Übergang und fortwährender Aushandlung geprägt ist.

Das ZK/U wurde 2012 in einem ehemaligen Güterbahnhof im Stadtgarten Moabit gegründet. Ein Gebäude, das ursprünglich für Ankunft, Umladung und Weitertransport konzipiert war, ist zu einem Ort künstlerischer Forschung, urbaner Praxis und internationaler Residenz geworden. Die Logik des Transits ist geblieben – nur die Güter haben sich verändert. Heute zirkulieren hier Fragen, Perspektiven, künstlerische Methoden, nachbarschaftliches Wissen, politische Imaginationen und Formen des Zusammenlebens.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum sich ein Teppichfragment in diesem Gebäude so zu Hause fühlt.

Im ZK/U trifft Fragment 17 auf ein vielschichtiges Gebäude: industrielle Vergangenheit, künstlerische Aneignung, soziale Infrastruktur, architektonische Erweiterung und alltägliche Nutzung. Der ehemalige Güterbahnhof ist keine neutrale Kulisse, sondern ein aktiver Teil des Geschehens. Seine Räume prägen Begegnungen, Arbeitsweisen und Öffentlichkeiten. Sie speichern Spuren und eröffnen zugleich neue Möglichkeiten.

Mit der Sanierung und Erweiterung des Gebäudes sind diese Schichten erneut sichtbar geworden. Das ZK/U hat keine neue Identität über die alte gelegt. Vielmehr wurde die bestehende Struktur weitergeführt. Alte Elemente bleiben lesbar, neue Ebenen sind hinzugekommen, Blickachsen haben sich verschoben, Wege verändert, die Nutzung verschoben. Die Architektur spricht nicht von Ersatz, sondern von Fortsetzung: vom Weiterbauen an einem Ort, der nie abgeschlossen war.

Nach der Wiedereröffnung im Jahr 2024 bedeutet Rückkehr nicht einfach, erneut anzukommen. Es ist ein Prozess, Vertrautheit neu einzuüben. Räume erneut zu bewohnen, die bekannt erscheinen und sich doch verändert haben. Das Haus muss sich neu organisieren: im Alltag der Residenz, in öffentlichen Formaten, in Kooperationen mit Partnern, im Verhältnis zur Nachbarschaft und im Zusammenspiel von Innen und Außen. Alte Routinen treffen auf neue Möglichkeiten. Vertraute Wege werden anders beschritten. Räume werden hinterfragt, erprobt, geteilt und erneut aktiviert.

In diesem Moment wird Fragment 17 zu einem stillen Gegenüber, zu einem Beobachter. Es erinnert daran, dass auch Kontinuität aus Brüchen besteht. Dass ein Ganzes nicht dadurch entsteht, dass Brüche unsichtbar gemacht werden, sondern indem sie in Beziehung treten dürfen. Ein Teppich ist nicht einfach eine Fläche, sondern eine Struktur: Fäden, Knoten, Muster, Lücken, Wiederholungen, Abweichungen. In diesem Sinne versteht sich auch das ZK/U nicht als fertige Institution, sondern als Geflecht von Beziehungen – zwischen künstlerischer Forschung und lokaler Praxis, zwischen internationalen Gästen und dem Alltag in Moabit, zwischen öffentlichem Programm und informellem Austausch.

Auch die Praxis des ZK/U entsteht aus vielen miteinander verwobenen Ebenen: künstlerische Forschung, Nachbarschaftsarbeit, Klimaanpassung, Stadtpolitik, Residenzleben, öffentliche Programme, informelle Begegnungen, Konflikte, Gastfreundschaft und Fürsorge. Manche dieser Ebenen sind sichtbar, andere wirken leiser im Hintergrund. Manche stabilisieren den Ort, andere stellen ihn infrage. Das ZK/U versucht nicht, diese Unterschiede zu glätten, sondern schafft eine Grundlage, auf der sie sich begegnen, überlagern und bearbeitet werden können.

Während Fragment 17 im ZK/U zu Gast ist, befindet sich auch Ari, die Statue of Peace, auf dem Gelände – temporär und im Transit. Mit „Ari in Transit“ eröffnet das ZK/U einen Raum, in dem Erinnerung nicht als abgeschlossener Teil der Vergangenheit behandelt wird, sondern als gegenwärtige Praxis: postmigrantisch, umkämpft, vielstimmig und im urbanen Kontext verortet. Ari verweist auf sexualisierte Gewalt in Konflikten und zugleich auf die Frage, wie Städte mit Erinnerungen umgehen, die sich nicht bruchlos in nationale oder institutionelle Narrative einfügen.

So entsteht im ZK/U ein temporäres Nebeneinander zweier sehr unterschiedlicher Reisender: ein Teppichfragment und eine Statue. Beide tragen Geschichten mit sich. Keines ist einfach nur ausgestellt; beide setzen Räume in Beziehung. Sie versammeln Menschen, aktivieren Gespräche, verschieben Wahrnehmungen und stellen Fragen an den Ort, an dem sie ankommen. Was bedeutet es, etwas zu beherbergen? Welche Verantwortung entsteht daraus, Schutz zu gewähren? Wie verändert ein Objekt einen Raum – und wie verändert ein Raum ein Objekt?

Diese Fragen sind Teil der alltäglichen Praxis des ZK/U. In Residenzen, Workshops, gemeinsamen Abendessen, Ausstellungen und nachbarschaftlichen Formaten wird die Stadt nicht nur beschrieben, sondern praktisch ausgehandelt. Das Haus ist weniger Bühne als Infrastruktur: ein Ort, an dem unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen, sich reiben, verbinden, wieder lösen und neue Formen annehmen. Nicht alles fügt sich reibungslos zusammen. Nicht jede Verbindung bleibt bestehen. Doch genau darin liegt die produktive Qualität eines Ortes, der Austausch nicht als Versprechen von Harmonie versteht, sondern als gemeinsame Arbeit an Beziehungen.

In diesem Zusammenhang nimmt Fragment 17 eine weitere Spur auf: die Spur eines Hauses, das aus dem Transit hervorgegangen ist und im Transit bleibt. Zwischen Güterbahnhof und Gegenwart, bestehender Struktur und Erweiterung, Erinnerung und Zukunft, Objekt und Öffentlichkeit wird es Teil eines fortlaufenden Prozesses.

Ein Ort, an dem Fragmente nicht vollständig sein müssen, um Bedeutung zu tragen. Ein Ort, an dem Teile, Übergänge und offene Enden immer wieder neue Formen des Zusammenlebens hervorbringen.

...und weiter gehts...

...mit Annika Klose

Was haben Berlin und dieser Teppich gemeinsam?

Beide sind Teil eines großen Ganzen – geprägt von Brüchen, Wandel und Vielfalt.

Vor 140 Jahren kam ein kaukasischer Drachenteppich nach Berlin. Im Zweiten Weltkrieg traf ihn eine Brandbombe, ein Teil verbrannte, ein anderer blieb. Jetzt wurde er neu gewebt. Die Reproduktion in 100 Stücke geteilt und in alle Ecken der Welt geschickt. Jedes Fragment als Botschaft für kulturellen Austausch.

Ich halte eines dieser Stücke in den Händen. Und während es hier ist, erzählt es genau die Geschichte, die Berlin ausmacht: eine Stadt, die durch Vielfalt zusammengehalten wird. In Berlin-Mitte spüre ich das überall – in Ateliers und Werkstätten, bei denen Künstler:innen aus aller Welt gemeinsam zu Migration, Stadtentwicklung und sozialer Gerechtigkeit arbeiten. Bei den zahlreichen Ehrenamtlichen und Vereinen, die junge Menschen mit Einwanderungsgeschichte unterstützen, damit sie in Schule, Ausbildung und Beruf ankommen. Bei den freien Trägern und Initiativen, die durch Bildungs- und Kulturprojekte Brücken zwischen Communities bauen und den interkulturellen Austausch stärken. Und an den Bauwerken unserer Geschichte, wie dem Kino International, das einst Premierenkino der DDR war und heute ein zentraler Ort für internationale Filmkultur und gesellschaftliche Debatten ist.

Wenn das Pergamonmuseum 2027 wieder öffnet, kehren alle 100 Fragmente zurück und werden wieder zusammengefügt. Ich bin gespannt, welche Reise "mein" Teppichstück bis dahin nehmen wird!

...und weiter gehts

...mit Niels Annen vom Deutschen Bundestag

Die Reise beginnt...

...mit Karamba Diaby

Was haben das Grundgesetz und ein zerschnittener Teppich gemeinsam?

Ich habe vom Museum für Islamische Kunst im Pergamonmuseum ein Stück von einem Teppich erhalten. Doch keine Sorge: es ist kein historisches Stück. Sondern die Reproduktion eines Teppichs, der normalerweise auf der Museumsinsel hängt.

Das Pergamonmuseum ist wegen Umbauarbeiten geschlossen. Und da hat das Team des Museums einen (neugeknüpften!) Teppich zerschnitten und die 100 Teile auf Reisen in alle Ecken dieser Erde geschickt.

Als mir ein Stück angeboten wurde, habe ich gleich zugesagt. Denn ich wusste sofort: Dieser Teppich muss auf seiner Reise auch im Bundestag vorbeischauen! Im Herzen unserer Demokratie.

Mein Lieblingsartikel des Grundgesetzes ist die Nummer 3: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ Und: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Für mich heißt das: Erst wenn alle Teile der Gesellschaft sich einbringen, wenn die Stimmen aller Bürgerinnen und Bürger Gehör finden, ergibt sich ein Fundament, auf dem wir stehen können. Wie die vielen bunten Fäden, die beim Knüpfen einen Teppich ergeben.

Zur Wiedereröffnung des Museums 2027 sollen alle 100 Teppich-Teile wieder in Berlin zusammenkommen. Dann kommen viele bunte Geschichten zusammen, die gemeinsam von der Reise des Teppichs erzählen werden.

Und der Abstecher mit mir im Bundestag war ein Teil davon!

CulturalxCollabs: Fragment No. 17 © Museum für Islamische Kunst, Heiner Büld

Schau genau

Vorne und Hinten

Über das Projekt

Das Projekt des Museums für Islamische Kunst "CulturalxCollabs - Weaving the Future" feiert die transformative Kraft des kulturellen Austauschs und die gesellschaftlichen Verflechtungen, die uns alle vereinen. Alles, was wir lieben, geliebt haben und jemals lieben werden, stammt aus kulturellem Austausch, Migration und Vielfalt, oder wie wir es gerne nennen, #CulturalxCollabs.

100 Teppichfragmente, aus einer Replik des ikonischen Drachenteppichs geschnitten, werden die Welt bereisen (unterwegs mit DHL). Mit Hilfe der Collab-er werden die Fragmente #CulturalxCollabs bereichern, menschlichen Einfallsreichtum inspirieren, Gemeinschaft fördern und letztendlich zeigen, wie kultureller Austausch all unsere Leben bereichert.

Folg #CulturalxCollabs auf Instagram und erleb wie sich das Projekt entfaltet...

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Weaving the Future

Begleite uns auf eine Reise mit 100 Teppichfragmenten, die dreieinhalb Jahre lang rund um die Welt reisen, vorübergehende Zuhause finden und dabei kulturelle Grenzen überbrücken. Vereint durch die Kraft persönlicher Geschichten fördern die Fragmente eine weltweite Gemeinschaft.

100 Fragmente. 100 Reisen

"CulturalxCollabs - Weaving the Future" - 1 Projekt, 100 Teppichfragmente. Folge ihrer Reise mit den immer wieder wechselnden Besitzer:innen innerhalb der nächsten 3,5 Jahre.

Wo ist der Drache?

Ein kaukasischer Drachenteppich aus dem 17. Jh. - der Star des "CulturalxCollabs - Weaving the Future" Projekts. Aber wo ist der Drachen eigentlich?