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Dies ist ein Fragment des "CulturalxCollabs - Weaving the Future" Teppichs.
Mit dem Fragment folgen wir der Reise der Besitzer:innen und ihrer Collabs. Sie entdecken und experimentieren mit gesellschaftlich relevanten Themen, die sie auf kreative Weise vorantreiben.
Hier stellen wir Euch das Fragment vor, so wie wir es auf seine dreieinhalbjährige Reise schicken.
Folg dieser Story und erleb die Transformation des Fragments im Laufe der Jahre...
Wir sind die Evangelische Kirchengemeinde Alt-Schöneberg, die älteste evangelische Gemeinde im Bezirksteil Schöneberg, deren Geschichte bis 1180 zurückgeht. Gleichwohl sind wir eine im Bezirk engagierte, sichtbare und lebendige Kirchengemeinde!
Unser Profil kann man in folgenden Stichpunkten zusammenfassen: Gelebte Ökumene, Queertoleranz und gesellschaftliches Engagement, Hervorragende Kirchenmusik, Glaubensheimat für Kinder, Jugend und Familien, Aktivierende Seniorenarbeit, Sozialdiakonisches Handeln.
Wir haben drei Situationen zur Historie des Teppichs in unserer Gemeinde gepostet, die wir hier mit Bildern illustrieren, die aufgrund des Datenschutzes eher symbolischer Natur sind.
Übergabe
Im ersten Sonntagsgottesdienst im September 2025 wurde uns das Teppichfragment #23 feierlich übergeben. Susanne Lenzen, Verwaltungsleiterin der Fakultät darstellende Kunst an der UdK Berlin und Ihr Ehemann Dr. Fabian Lenzen, der Gemeindeältester und damit Mitglied der Gemeindeleitung ist, überbrachten uns das Fragment aus der Universität der Künste, wo es vorher ein halbes Jahr beheimatet war.
Der erste Gottesdienst im Monat ist bei uns ein besonderes Format, in dem wir keine traditionelle Predigt halten, die normalerweise das Kernstück des evangelischen Gottesdienstes in lutherischer Tradition bildet. Sondern wir wenden uns an Familien mit kleineren und größeren Kindern, um biblische Inhalte in Spielszenen oder interaktiven Formaten ganz aktuell und lebensweltlich erfahrbar zu machen.
Weil die Geschichten aus der Bibel auch für unser Leben, egal wie klein oder groß wir sind, etwas zu sagen haben. Auch unsere Kirchenmusiker:innen sind besonders geschult, musikalische Angebote zu machen, in denen Kinder mitmachen, d.h. singen, rufen, klatschen oder sich zur Musik bewegen zu können. Der Familiengottesdienst ist mehr als ein Kindergottesdienst und spricht mittlerweile alle Generationen an: mit seinen Fürbittritualen, in denen wir sagen dürfen, was uns freut, was uns beschwert oder, was wir, weil es für uns zu groß oder ungelöst ist, in Gottes Hand legen dürfen. In dieses offene und kreative Setting hinein erreichte uns das reisende Teppichfragment.
Gemeindekirchenrat-Sitzung
Das Teppichfragment begleitete uns über sechs Monate – hier nahm es teil an unserer Gemeindekirchenratssitzung. Der Gemeindekirchenrat (kurz GKR) ist das Leitungsgremium unserer Kirchengemeinde, der GKR ist verantwortlich für alle rechtlichen, finanzwirksamen und organisatorischen Belange der Gemeinde, die ja auch eine materielle (und nicht nur spirituelle) Gestalt hat: Um zu wirken brauchen auch wir Gebäude, Infrastruktur, Personal und finanzielle Mittel.
Der GKR ist somit ein starkes Zeichen dafür, dass die Evangelische Kirche Deutschlands wichtige und konstituierende Grundsätze immer noch als Prinzipien achtet – und vor allem lebt: Sie ist demokratisch verfasst und sieht das ehrenamtliche Engagement bis hin zur Leitungsebene vor. Pfarrpersonen leiten die Gemeinde in Hinblick auf die Verwaltung der Sakramente, die nur sie spenden können. Sie bilden den Kern des seelsorgerischen und gottesdienstlichen Handelns. Für alles Andere (Organisation, Personal, Finanzen und Recht) gibt es engagierte Laien, die ihre beruflichen und biographischen Kompetenzen und Erfahrungshorizonte einbringen, um Gemeinde vor Ort zu managen und vor allem: mit Leben zu erfüllen. Auch und gerade diese Laien wirken im Sinne der christlichen Botschaft. So spricht Luther zutreffend in der Diktion seiner Zeit vom Laienpriestertum der Gläubigen.
KonFirm Unterricht
Der KonFirm-Unterricht ist unser ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal, ein echtes Novum, soweit wir wissen: bislang deutschlandweit. Zusammen werden evangelische Konfirmanden und altkatholische Firmlinge unterrichtet. Damit Ökumene eine grundlegende Glaubenserfahrung der nachwachsenden Glaubensgeneration wird. Hier begleitet das Teppichfragment einen sogenannten KonFirm-Sonntag, einen monatlich stattfindenden Tag, an dem der normalerweise wöchentlich zu erteilende Unterricht zu einem Tag verblockt wird: Viele Jugendliche sind in ihrer aktuellen Lebenswelt kaum noch in der Lage, einen wöchentlichen Abendtermin neben anderen schulischen und außerschulischen Verpflichtungen wahrzunehmen. Darauf reagieren wir. Unser Bild nimmt hier ganz besonders Rücksicht auf datenschutzrechtliche Vorgaben. Aber was uns hier wichtig ist: Wir haben eine nachwachsende Glaubensgeneration in unserer Gemeinde und starren nicht nur auf sinkende Mitgliederzahlen. Und wir lenken den Blick dieser Generation zudem auf die erweiterte Perspektive der Ökumene. Und darüber hinaus schauen wir auch auf die interreligiöse Realität unserer Stadt und unseres Bezirks: Kontakte mit jüdischen und fortschrittlichen muslimischen Gläubigen bringt schon die Lebenswelt unseres Bezirks mit sich.
Susanne Grünberg, GKR Vorsitzende
Im Rahmen des szenischen Werkstattabends LANGE SCHATTEN des Studiengangs Gesang/Musiktheater der Universität der Künste Berlin (Regie: Prof. Lars Franke) war das Fragment #23 am 14. und 16. Februar 2025 auf der Bühne des UNI.T -Theater der UdK Berlin auf der Bühne zu erleben.
Seit Anfang Dezember hängt im Bundesausbildungszentrum für Bestatter in Münnerstadt ein kleines Stück von einem Teppich. Was es damit auf sich hat? Tatsächlich ist das Fragment Teil eines Projekts des Museums für Islamische Kunst im Pergamonmuseum. Für das CulturalxCollabs-Projekt wurde der neu gewebte Doppelgänger des Kaukasischen Drachenteppichs, der seit 140 Jahren im Besitz der Berliner Museen ist, in 100 Einzelteile aufgetrennt, die nun bis 2027 innerhalb Deutschlands "auf Reisen gehen" - und zwar an unterschiedliche Orte, die für unsere Bestattungskultur stehen. Deshalb hat das Teppichfragment, wie auf den Bildern zu sehen ist, bereits unsere Trauerhaltestelle auf dem Parkfriedhof in Hamburg besucht. Das erste Bild zeigt unseren Geschäftsführer, Stephan Neuser, und den Obermeister der Bestatter-Innung von Berlin und Brandenburg, Dr. Fabian Lenzen, mit dem Fragment.
Das Projekt zielt darauf ab, das Denken und den Dialog über Vielfalt und Interkulturalität zu fördern. Im 21. Jahrhundert sind interkulturelle Kompetenz und Wissen über verschiedene Bestattungskulturen wesentliche Fähigkeiten für Bestatter:innen und tragen zu einem offenen Dialog über Trauer- und Bestattungskultur bei. Trotz der Unterschiede in den Kulturen mit ihren einzigartigen Bestattungstraditionen liegt unsere Gemeinsamkeit darin, die Verstorbenen zu ehren - eine Praxis, die die Menschen seit Zehntausenden von Jahren aufrechterhalten.
Jede Region dieser Welt, jede Glaubensrichtung und jede Gemeinschaft hat ihre Bestattungskultur. Gemeinsamkeit besteht darin, dass Menschen seit zehntausenden von Jahren weltweit ihre Verstorbenen bestattet haben. Der würdevolle Umgang mit dem Leib derer, die aus unserer Mitte gegangen sind, verbunden mit unterschiedlichsten Riten, Handlungen und Transzendenzvorstellungen unterscheiden und verbinden uns zugleich. In den modernen Gesellschaften des 21. Jahrhunderts vermischen sich dabei Einflüsse unterschiedlichster Kulturen, Religionen und Gegenden vermehrt miteinander oder koexistieren auf engstem Raum. Besonders deutlich wird dies in den urbanen Ballungsräumen. Interkulturelle Kompetenz, das Wissen um die Bedeutung anderer Bestattungskulturen und die Offenheit für sich wandelnde Vorstellungen gehören heute mehr denn je zu den Kompetenzen von Bestattenden und jungen Menschen, die sich mit der Ausbildung zur Bestattungsfachkraft auf den Weg machen, diesen Beruf zu erlernen.
Das Teppichfragment reist innerhalb Deutschlands an unterschiedliche Orte, die für unsere Bestattungskultur und auch für deren Erhalt, wie auch deren Wandel stehen. Zugleich wird es immer wieder auch im Bundesausbildungszentrum der Bestatter, der Theo-Remmertz-Akademie, zu sehen sein. An all diesen Orten soll es dazu einladen, über Vielfalt, Interkulturalität und Austausch von Ideen nachzudenken. Im April wird das Teppichfragment an einen internationalen Partner, der in einem anderen Teil der Welt bestattungskultureller Akteur ist, weitergeben, bevor das Fragment schließlich wieder Teil des Gesamtprojektes wird. Im Jahr 2027 sollen schließlich alle 100 Fragmente wieder im dann neueröffneten Pergamonmuseum zusammenfinden.
Das Projekt des Museums für Islamische Kunst "CulturalxCollabs - Weaving the Future" feiert die transformative Kraft des kulturellen Austauschs und die gesellschaftlichen Verflechtungen, die uns alle vereinen. Alles, was wir lieben, geliebt haben und jemals lieben werden, stammt aus kulturellem Austausch, Migration und Vielfalt, oder wie wir es gerne nennen, #CulturalxCollabs.
100 Teppichfragmente, aus einer Replik des ikonischen Drachenteppichs geschnitten, werden die Welt bereisen (unterwegs mit DHL). Mit Hilfe der Collab-er werden die Fragmente #CulturalxCollabs bereichern, menschlichen Einfallsreichtum inspirieren, Gemeinschaft fördern und letztendlich zeigen, wie kultureller Austausch all unsere Leben bereichert.
Folge #CulturalxCollabs auf Instagram und erlebe wie sich das Projekt entfaltet...
Begleite uns auf eine Reise mit 100 Teppichfragmenten, die dreieinhalb Jahre lang rund um die Welt reisen, vorübergehende Zuhause finden und dabei kulturelle Grenzen überbrücken. Vereint durch die Kraft persönlicher Geschichten fördern die Fragmente eine weltweite Gemeinschaft.
"CulturalxCollabs - Weaving the Future" - 1 Projekt, 100 Teppichfragmente. Folge ihrer Reise mit den immer wieder wechselnden Besitzer:innen innerhalb der nächsten 3,5 Jahre.
Ein kaukasischer Drachenteppich aus dem 17. Jh. - der Star des "CulturalxCollabs - Weaving the Future" Projekts. Aber wo ist der Drachen eigentlich?