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Dies ist ein Fragment des "CulturalxCollabs - Weaving the Future" Teppichs.
Mit dem Fragment folgen wir der Reise der Besitzer:innen und ihrer Collabs. Sie entdecken und experimentieren mit gesellschaftlich relevanten Themen, die sie auf kreative Weise vorantreiben.
Hier stellen wir Euch das Fragment vor, so wie wir es auf seine dreieinhalbjährige Reise schicken.
Folg dieser Story und erleb die Transformation des Fragments im Laufe der Jahre...
Es ist eine kleine Welt. Nicht nur die Verbindungen und Gemeinsamkeiten, die unsere Welt ausmachen. Schauen Sie sich diese Bilder des Teppichfragments #72 unter Vergrößerung an. Sie betreten eine Mikrowelt, die das bloße Auge nicht erfassen kann. Ein seltener Blick auf das, was uns alle umgibt und auf die Spuren, die wir hinterlassen. Wenn Sie die Bilder vergrößern, werden sie zu ganz eigenen Schönheiten, Kunstwerken, Kunsthandwerken.
Sie wurden in unseren Konservierungsstudios aufgenommen, die Teil des Ashmolean-Museums sind, wo wir die Sammlungen untersuchen, Entdeckungen machen und Wege finden, Objekte für die Zukunft zu konservieren. Naturschutz vereint Kunst, Wissenschaft, forensische Untersuchung und Zusammenarbeit.
Hier ist ein gewebter Gebetsteppich aus der Ashmolean-Sammlung, der ebenfalls bei einem Brand beschädigt wurde. Er war Teil der Sammlung von Gerald Reitlinger (1900 - 1978) und befand sich wahrscheinlich auf dem Fußboden seines Hauses, als er 1978 in Flammen aufging. Neben brennenden Löchern im Teppich finden sich möglicherweise Spuren von geschmolzenem Blei.
Solche Katastrophen passieren, Momente der Katastrophe, die ihre Spuren in dem hinterlassen, was zurückbleibt. Der Teppich ist erhalten geblieben und die Schäden sind Teil seiner Geschichte. Er führt heute ein sehr geschütztes Leben, wird von interessierten Menschen besucht, in einem speziell angefertigten Museumslager gepflegt, bei optimaler Temperatur und Luftfeuchtigkeit gehalten und vor zu viel Licht geschützt.
Das Ashmolean ist das 1683 gegründete Museum für Kunst und Archäologie der Universität Oxford. Die weltberühmten Sammlungen reichen von ägyptischen Mumien bis zu zeitgenössischer Kunst und erzählen die Geschichten der Menschen über Kulturen und Zeiten hinweg. Damit ist das Museum wie geschaffen für einen Besuch des CulturalxCollabs Projekts mit Fragment #72 im Gepäck. Darüber hinaus ist es seit 2000 Heimstätte des May Beattie Archivs.
May Hamilton Beattie (*1908 Edinburgh - †1997) war die erste Frau, die sich wissenschaftlich mit der Erforschung von Teppichen befasste. Ihr Fokus lag vor allem auf der Analyse der Materialien und der Herstellungstechnik. Ihre Forschungen sind bis heute richtungsweisend. Dementsprechend umfasst das May Beattie Archiv rund 1400 Bücher ihrer Bibliothek und über 100 Teppiche und Textilien aus ihrem Besitz. Bereichert wird das Archiv durch Faserproben unzähliger Teppiche, die Beattie während ihres Aufenthaltes in Bagdad und auf ihren Reisen sammelte sowie ihre handschriftlichen Notizen dazu.
Die vielfältigen Materialproben und handschriftlichen Notizen sind mittlerweile nahezu vollständig digital erfasst. Gelagert werden die Objekte in säurefreien Kartons, die minutiös beschriftet sind. Im Depot wurden mir ausgewählte Kartons mit vielversprechendem Inhalt zur Recherche bereitgestellt. Was war zu erwarten? Gute Frage. Was habe ich gefunden? Ein breites Spektrum an Informationen einer wissbegierigen und systematisch arbeitenden Frau und viele Überraschungen.
Beispielsweise ist ein angeregter Briefwechsel erhalten, der sich mit der Frage beschäftigt, welche Seidenteppiche Ende des 17. Jahrhunderts wo genau im Schrein der Fatima in Ghom, Iran lagen. Eine Frage, die bis heute diskutiert wird. May Beattie greift dazu auf die Untersuchungen und Beobachtungen anderer Reisender zurück, weil sie selber nicht in Ghom war. Eine Praxis, die noch heute notwendig ist, da Reisen in zahlreiche Länder nicht immer möglich sind.
Im Archiv finden sich aber auch greifbare Dinge: farbige Wollproben, die verschiedene Färbezutaten bzw. die Ergebnisse der Färbungen dokumentieren.
Und eine Überraschung: May Beattie hat auch Proben von Teppichen unserer Sammlung archiviert. So beispielsweise von zwei Gebetsteppichen oder dem Rest einer turkmenischen Tasche.
Hier zeigt sich, wie stark und wichtig die Vernetzung zwischen Forschenden weltweit war und immer noch ist. Wobei eine Probennahme von originalen Objekten heute nicht mehr so einfach ist. Dafür werden Forschungsergebnisse direkt geteilt, Netzwerke ausgebaut und Erfahrungen weitergegeben.
So auch bei diesem Besuch im Ashmolean. Im Anschluss an die Archivarbeit folgte ein Vortrag zum Thema: Was macht ein Museum, wenn es mehrere Jahre geschlossen hat? Im Rahmen der jährlichen May Beattie Lecture wurde die Arbeit hinter den Kulissen des geschlossenen Museums für Islamische Kunst vorgestellt: Abbau der Dauerausstellung, Planung und Vorbereitung der zukünftigen Ausstellungsobjekte, Begutachtung der Baustelle der neuen Dauerausstellung, Ausstellungstexte schreiben usw. usw. usw. Als Höhepunkt wurde Fragment #72 und das Projekt Cultural x Collabs vorgestellt. Und damit die Frage abschließend beantwortet, was ein geschlossenes Museum macht, um seine Besuchenden weiterhin teilhaben zu lassen.
Und Teilhabe bedeutet ein Teil von etwas zu haben oder zu sein. Deshalb fand Fragment #72 bei der abschließenden Verlosung unter den Zuhörenden im Auditorium einen neuen Besitzer: David Bone, selber Restaurator am Ashmolean. Das wird spannend!
Das Projekt des Museums für Islamische Kunst "CulturalxCollabs - Weaving the Future" feiert die transformative Kraft des kulturellen Austauschs und die gesellschaftlichen Verflechtungen, die uns alle vereinen. Alles, was wir lieben, geliebt haben und jemals lieben werden, stammt aus kulturellem Austausch, Migration und Vielfalt, oder wie wir es gerne nennen, #CulturalxCollabs.
100 Teppichfragmente, aus einer Replik des ikonischen Drachenteppichs geschnitten, werden die Welt bereisen (unterwegs mit DHL). Mit Hilfe der Collab-er werden die Fragmente #CulturalxCollabs bereichern, menschlichen Einfallsreichtum inspirieren, Gemeinschaft fördern und letztendlich zeigen, wie kultureller Austausch all unsere Leben bereichert.
Folg #CulturalxCollabs auf Instagram und erleb wie sich das Projekt entfaltet...
Begleite uns auf eine Reise mit 100 Teppichfragmenten, die dreieinhalb Jahre lang rund um die Welt reisen, vorübergehende Zuhause finden und dabei kulturelle Grenzen überbrücken. Vereint durch die Kraft persönlicher Geschichten fördern die Fragmente eine weltweite Gemeinschaft.
"CulturalxCollabs - Weaving the Future" - 1 Projekt, 100 Teppichfragmente. Folge ihrer Reise mit den immer wieder wechselnden Besitzer:innen innerhalb der nächsten 3,5 Jahre.
Ein kaukasischer Drachenteppich aus dem 17. Jh. - der Star des "CulturalxCollabs - Weaving the Future" Projekts. Aber wo ist der Drachen eigentlich?