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Dies ist ein Fragment des "CulturalxCollabs - Weaving the Future" Teppichs.
Mit dem Fragment folgen wir der Reise der Besitzer:innen und ihrer Collabs. Sie entdecken und experimentieren mit gesellschaftlich relevanten Themen, die sie auf kreative Weise vorantreiben.
Hier stellen wir Euch das Fragment vor, so wie wir es auf seine dreieinhalbjährige Reise schicken.
Folg dieser Story und erleb die Transformation des Fragments im Laufe der Jahre...
„Ai“ trägt seinen Namen nach der Aussprache des chinesischen Schriftzeichens für „Liebe“ (爱). Liebe ist eine fortwährende Kraft, die mit Migration, Trennung und Wiederbegegnung fließt und sich zwischen Verlust und Gewinn immer wieder weiterträgt und erneuert.
Migration geht oft mit Schmerz und Brüchen einher, doch sie kann auch Liebe in sich tragen und ihr ermöglichen, in vielfältigen Formen fortzubestehen. Wir legen die Liebe in dieses wandernde Fragment, und auch sie wird ihre Reise fortsetzen und in andere Hände gelangen.
Wenn wir auf dieses Teppichfragment blicken, ist es nicht länger nur ein Überrest, der einen Riss überdauert hat; vielmehr scheint es selbst zum Riss zu werden. Umgeben von weicher weißer Wolle liegt es in einem gewundenen roten Fluss, dessen Wellen zur Ruhe gekommen sind und aus dem uns das Leben entgegenblickt. Es wird zu einem Blickpunkt, von dem aus wir herstory betrachten können, und erinnert uns daran, dass jede große Erzählung von Vertreibung und Migration letztlich in den Wirklichkeiten des Alltags verwurzelt ist. Wege der Bewegung werden nachgezeichnet, zusammengefügt und übereinandergeschichtet und hinterlassen ihre Spuren dort, wo sich ihre Verläufe kreuzen. Wenn Menschen die Überreste dessen sammeln müssen, was davongedriftet ist, bleiben das Meer, die Anziehungskraft des Ortes, an dem wir geboren wurden und aufgewachsen sind, und wir selbst zurück – wohin wir auch treiben mögen, stets werden wir von den Monsunwinden getragen.
Während wir mit unseren Händen über die weiche Wolle von Fragment #92 streichen, stellen wir uns das Glück vor, das seine einstigen Besitzerinnen oder Besitzer erfahren haben mögen. Einen Teppich zu betreten bedeutet, sanft von einer warmen und großzügigen Umarmung umfangen zu werden. Entlang der ursprünglichen Kontur des Fragments haben wir seine Form durch neue Linien und Stiche erweitert. Diese wachsenden Umrisse werden zu Verlängerungen dieser Umarmung, zu Verlängerungen der Liebe selbst, die sich bis in jeden Winkel und sogar in die Schatten hinter Mauern und Zäunen ausdehnen.
Während des Entstehungsprozesses begannen wir, das Fragment als einen Samen zu begreifen, der in den Räumen um sich herum seine eigene besondere Lebenskraft entfaltet. Obwohl Fragment #92 überwiegend rotbraun ist, finden sich über seine Oberfläche verstreut Spuren von tiefem Blau und Smaragdgrün. Von diesen Farben inspiriert, fügten wir blaue und grüne Verästelungen hinzu und ließen an den Stellen, an denen Fragmente aufeinandertreffen, langsam Triebe und Blüten hervorgehen.
Fragmente rufen oft Schmerz, Trennung und Verlust hervor. Doch gerade die Unvollkommenheiten zwischen ihnen schaffen neue Räume und unbekannte Möglichkeiten. In diesen Öffnungen liegen unzählige Potenziale und es entsteht Raum für neues Leben. Wir hoffen, dort Samen der Hoffnung und Widerstandskraft auszusäen, damit sie eines Tages die Oberfläche durchbrechen und gedeihen können. Als Antwort darauf entschieden wir uns, mit Linien zu arbeiten. Linien erinnern sich an die Gestalt des Windes, weil sie seine Bewegung kennen. Deshalb nutzten wir Linien, um Wege des Durchgangs festzuhalten, verstreute Fragmente miteinander zu verbinden und Vertreibung und Zugehörigkeit, Wunden und Wachstum miteinander zu verweben.
Die in „Ai“ eingeschriebene Liebe existiert jenseits der Vorstellung von Ganzheit. Sie ist eine Kraft, die durch Bewegung weitergetragen und in den Rissen bewahrt wird. In „Ai“ liegen die vernähten Spuren gelebter Erfahrungen sowie die Liebe und die Erinnerungen, die sich über sie hinaus weiter entfalten.
Leyla und Alexa haben sich die Frage gestellt: Wie kommt das Museum zu den Menschen? Und wie können sie Teil der Geschichte werden?
Dafür haben sie das Teppichfragment in eine Vorlage zum Nachhäkeln übersetzt, um weltweit allen Menschen zu ermöglichen, sich das Teppichfragment direkt nach Hause zu häkeln. Bei der Farb- und Garnwahl sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt und so entstehen viele unterscheidliche Unikate überall auf der Welt, die die Menschen und ihr Zuhause nun mit dem Museum in Verbindung bringen.
Häkeln ist eine Handwerkskunst, die bis heute nicht von Maschinen ausgeführt werden kann. Oft wird diese Kunst von Großmüttern oder Müttern an ihre Kinder weitergegeben und verbindet so die Generationen miteinander. Masche für Masche verbindet sich das Häkelstück mit seiner Macher:in.
haekelplanet99 sind Alexa und Leyla, beste Freundinnen aus Berlin, die auf Instagram teilen, wie sie rund um die Welt häkeln. Ob am Strand, im Bus oder im Gropius Bau in Berlin häkeln sie und bringen häkelbegeisterte junge und alte Menschen zusammen.
An einem warmen Frühlingsabend verwandelten wir Haus Bastian – das Zentrum für kulturelle Bildung auf der Berliner Museumsinsel – in ein Meer aus Teppichen und Ruhe. Für einige wunderbare Stunden luden wir Freund:innen, Unbekannte und neugierige Zuhörer:innen zu „Listening on Carpets“ ein – ein Abend, der Ambient Music, das Zusammenkommen im Museum und einen Teppich mit Geschichte vereinte.
Da das Fragment #92 nun auf eine jahrelange Reise geht – von Person zu Person, von Ort zu Ort –, wollten wir ihm einen gebührenden Start schenken. Und was wäre ein besserer Auftakt als sich mit allen Sinnen davon zu träumen?
DJ Olenka erfüllte den Raum mit zarten, atmosphärischen Klängen, die es allen ermöglichten, auf ihre eigene Weise anzukommen – liegend, mit geschlossenen Augen oder einfach nur lauschend und im Moment verweilend. Ein Nebenraum bot Raum für Austausch und eine Collage-Station, an der die Inspirationen und Impulse aus der Kombination von Musik und Teppich verarbeitet werden konnten.
Die Einladung zu diesem Event wurde ähnlich verschickt wie die 100 Teppichfragmente selbst: als Kettenbrief. Jede Person, die eine Einladung bekam, durfte sie an drei interessierte Menschen weiterleiten. So ist ein wachsendes, organisches Zusammenkommen entstanden – genau wie die Reise des Teppichs, der von Hand zu Hand, von Ort zu Ort wandert.
Wir danken DJ Olenka für die Klanglandschaft, BERBERLIN für das großzügige Ausleihen der wunderschönen Teppiche und Haus Bastian für den inspirierenden Raum.
Dies war die erste Station auf der Reise von Fragment #92 – und der Beginn einer gemeinsamen Geschichte, die sich Stück für Stück weiter entfalten wird.
Organisiert von Achtet AlisMB – dem Jugendgremium der Staatlichen Museen zu Berlin. Junge Menschen machen Museum.
Das Projekt des Museums für Islamische Kunst "CulturalxCollabs - Weaving the Future" feiert die transformative Kraft des kulturellen Austauschs und die gesellschaftlichen Verflechtungen, die uns alle vereinen. Alles, was wir lieben, geliebt haben und jemals lieben werden, stammt aus kulturellem Austausch, Migration und Vielfalt, oder wie wir es gerne nennen, #CulturalxCollabs.
100 Teppichfragmente, aus einer Replik des ikonischen Drachenteppichs geschnitten, werden die Welt bereisen (unterwegs mit DHL). Mit Hilfe der Collab-er werden die Fragmente #CulturalxCollabs bereichern, menschlichen Einfallsreichtum inspirieren, Gemeinschaft fördern und letztendlich zeigen, wie kultureller Austausch all unsere Leben bereichert.
Folg #CulturalxCollabs auf Instagram und erleb wie sich das Projekt entfaltet....
"CulturalxCollabs - Weaving the Future" - 1 Projekt, 100 Teppichfragmente. Folge ihrer Reise mit den immer wieder wechselnden Besitzer:innen innerhalb der nächsten 3,5 Jahre.
Begleite uns auf eine Reise mit 100 Teppichfragmenten, die dreieinhalb Jahre lang rund um die Welt reisen, vorübergehende Zuhause finden und dabei kulturelle Grenzen überbrücken. Vereint durch die Kraft persönlicher Geschichten fördern die Fragmente eine weltweite Gemeinschaft.
Ein kaukasischer Teppich aus dem 17. Jahrhundert, halb zerstört durch eine Brandbombe im Zweiten Weltkrieg, wird zur Vorlage für einen Doppelgänger — gewebt 2022 von einer Familie in Rajasthan, Indien. Über 2,3 Millionen Knoten später reist er als 100 Fragmente in alle Welt. Dies ist die Geschichte, wie er entstand.
Ein kaukasischer Drachenteppich aus dem 17. Jh. - der Star des "CulturalxCollabs - Weaving the Future" Projekts. Aber wo ist der Drachen eigentlich?