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Die Staatlichen Museen zu Berlin bewahren eine reiche und vielfältige Sammlung von Objekten rund um das Thema Katze. Sie spannt einen weiten Bogen über Epochen und Kulturräume und macht die symbolische wie künstlerische Bedeutung der Katze in unterschiedlichen Zivilisationen sichtbar.
Zu den Beständen zählen kunstvoll gestaltete mittelalterliche Manuskripte mit Randdarstellungen aus dem Alltag ebenso wie moderne Kunstwerke, die die Katzenform in ganz unterschiedlichen Medien aufgreifen. Gemeinsam zeugen sie von der anhaltenden Faszination und Wertschätzung, die Katzen weltweit entgegengebracht wird. Die Sammlung unterstreicht den Anspruch der Staatlichen Museen zu Berlin, die vielschichtigen kulturellen Erzählungen sichtbar zu machen, die Katzen im Laufe der Geschichte geprägt haben.
Für die Zusammenstellung dieses Abschnitts danken wir herzlich unseren Kolleginnen und Kollegen aus den Staatlichen Museen zu Berlin.
Auf den ersten Blick wirkt dieses Objekt aus der Sammlung des Museum Europäischer Kulturen (Staatliche Museen zu Berlin) wie das Ergebnis einer ungewöhnlich harmonischen Zusammenarbeit zwischen einem Schmied und einem Katzenliebhaber. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich jedoch eine handgefertigte Axt, deren Klinge in die unverwechselbare Silhouette eines vierbeinigen felinen Wesens gesägt und gefeilt wurde. Doch mit ihren aufgerichteten Ohren, sorgfältig eingeschnittenen Schnurrhaaren und lebhaft eingelegten Augen schmückt die Katze das Werkzeug nicht nur – sie ist selbst zum Werkzeug geworden. Die funktionale Schneide der Metallsilhouette erinnert daran, dass selbst die charmantesten Gefährten eine scharfe Seite besitzen können.
Die Entscheidung des Künstlers oder der Künstlerin, ein gewöhnliches Arbeitsgerät in eine charaktervolle Kreatur zu verwandeln, könnte den Wunsch widerspiegeln, die tägliche Arbeit mit Humor zu erleichtern oder vielleicht Werkzeuge im Kontext einer Werkstatt zu personalisieren. Ob diese Axt je zum Spalten von Holz verwendet wurde oder hauptsächlich als Schaustück diente, ist unbekannt. Ihr guter Erhaltungszustand legt jedoch nahe, dass ihre Besitzer sie eher aufgrund der Gespräche schätzten, die sie auslöste, als ihrer Schreinerqualitäten.
Die Kombination aus entwaffnendem Charme und beunruhigendem Potenzial – schließlich ist dies eine Katze, die man definitiv nicht streicheln sollte – erzeugt eine spielerische Spannung. Die weit aufgerissenen, überraschten Augen rufen jenen Moment wach, den viele echte Katzen erleben, wenn sie mit häuslichen Aufgaben konfrontiert werden: totale Verweigerung. Und doch steht diese Katze für die Ewigkeit arbeitsbereit da, erstarrt in einer Haltung fragwürdiger Begeisterung.
Museum: Museum Europäischer Kulturen
Materialien und Technik: Stahl und Holz
Herstellungsort: hergestellt in Polen um 1980
Beitrag von: Franziska Kabelitz
Während Katzen in europäischen Kontexten oft als böses Omen gelten und mit Vorstellungen von Hexerei verbunden sind, wurden sie in Ostturkestan, das heute zur Volksrepublik China gehört, verehrt. In vielen Traditionen Zentral- und Ostasiens gelten Katzengeister als Beschützer:innen von Wohlstand und Familie. Genau wie echte Katzen können auch Katzengeister launisch sein und verlangen Respekt.
Zusammen mit einem sitzenden Affen (I B 8812), einem liegenden Hund (I B 8816) und einem Schädel (I B 8811) präsentiert, zeigen die Jadeamulette drei verschiedene Katzenfiguren: zwei liegen (I B 8813, I B 8815) und eine hockt auf einem Stein (I B 8817). Ein weiteres Amulett (I B 8814) fällt durch seine korallenrote Farbe auf. Dieses Amulett, das die Form einer auf einem Stein liegenden Katze hat, ist aus Speckstein geschnitzt, der in China ebenfalls zur Herstellung von Siegeln und kleinen Statuen verwendet wurde.
Laut der Inschrift wurden die Amulette verwendet, um Gesundheit zu fördern und vor schwarzer Magie zu schützen. Amulette werden in ganz Zentralasien noch immer getragen und variieren in Material und Form. Während diese Amulette aus Jade geschnitzt sind – in der Museumskorrespondenz als Nephrit aufgeführt – können Amulette auch aus Metall geschmiedet sein und Edelsteine wie Lapislazuli tragen. In muslimischen Gemeinschaften, beispielsweise in Ostturkestan, können Amulette auch Koransprüche enthalten, die als ta’weedh bekannt sind. Die Amulette wurden in Kaschgar erworben, einer bedeutenden Stadt in Ostturkestan unter der Herrschaft des Qing-Imperiums.
Dies ist nur ein Beispiel aus einer umfangreichen Sammlung von Amuletten, die im Ethnologischen Museum bewahrt wird. Dieser Teil der Sammlung wurde in Kaschgar erworben und bestand aus drei kleinen Kartons. Die Sammlung wurde 1903 vom Reisenden, Sammler und Mitglied der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte (BGAEU), Hermann Schoede, zunächst dem Museum für Völkerkunde geliehen und 1927 dem Museum geschenkt.
Museum: Ethnologisches Museum
Materialien: Stein (Jade)
Herstellungsort: Ostturkestan, Anfang des 20. Jahrhunderts.
Maße: Höhe 2,5 cm, Breite 1,5 cm, Tiefe 1 cm.
Beitrag von: Dr. Fiona Naeem
Von beliebten Mäusefängern (im Alltag) bis hin zu Gottheiten in Katzengestalt – die flauschigen Begleiter spielten bereits im Alten Ägypten eine wichtige Rolle.
Katzen waren im Alten Ägypten vor allem aus praktischen Gründen bliebt: Sie hielten Häuser und Getreidespeicher frei von Mäusen, Ratten und Schlangen. Aufgrund des reichen Nahrungsangebotes in bewohnten Gegenden haben sich die Katzen durch Anschluss an menschliche Siedlungen schon Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. quasi selbst domestiziert. Die Menschen wussten die Unterstützung der Katzen zu schätzen und machten sie ab etwa 2000 v. Chr. offiziell zu Wohngenossen. Zusammen mit Hunden zählten Katzen zu den beliebtesten Haustieren. Darstellungen der tierischen Lieblinge im Grab oder auf Alltagsgegenständen (zum Beispiel auf Schmuck oder auf Spiegelgriffen) unterstreichen den Stellenwert dieser Tiere.
Zu den Alltagsgegenständen, die später mit ins Grab gegeben wurden, gehörten auch Spiegel. Während die Spiegelplatten rund oder oval sind, zeigen die Spiegelgriffe eine Vielfalt an Motiven, darunter Tiere, Mädchen und junge Frauen, Papyrusblüten oder das Gesicht der Göttin Hathor. Dieser aus Holz gefertigte Spiegelgriff weist die Gestalt eines Mädchens auf, das eine kleine Katze in der linken Hand hält. Handelt es sich bei der Katze um das Haustier des Mädchens?
Dieser Spiegelgriff wurde 1903 bei Ausgrabungen in Abusir el-Meleq unter der Leitung von Otto Rubensohn gefunden. Im Rahmen der Fundteilung gelangte das Stück in das Ägyptische Museum und Papyrussammlung.
Standort: Das Objekt ist in Raum 109 (Ebene 1) im Neuen Museum ausgestellt.
Museum: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung im Neuen Museum
Beschreibung: Spiegelgriff in Gestalt eines Mädchens mit Katze
Herstellungsort: Abusir el-Meleq, Ägypten, Neues Reich, 18. Dynastie, 1550–1292 v. Chr.
Maße: 17,3 x 4,5 x 3,3 cm
Beitrag von: Jessica Knebel
Im Alten Ägypten konnten Gottheiten als Mensch, als Tier oder als Mischwesen (Menschenkörper mit Tierkopf) dargestellt werden. Die Katze wurde mit der Göttin Bastet assoziiert, die entweder als Katze oder als Frau mit Katzenkopf auftrat. Dabei galt das Tier selbst nicht als göttliches Wesen, sondern als Ausdruck von bestimmten göttlichen Eigenschaften. Wahrscheinlich waren bei der Katze die Jagdfähigkeiten, die Schnelligkeit sowie Fortpflanzung und mütterliche Fürsorge ausschlaggebend. Bastet verkörpert Sanftmut, Fruchtbarkeit und Freude. Zudem ist sie eine mächtige Schutzgöttin, insbesondere für Mütter und Kinder.
Bronzene Katzenfiguren aus der Spät- und Ptolemäerzeit sind zahlreich in der Sammlung des Ägyptischen Museum und Papyrussammlung vertreten. Solche Statuetten sind als Votivgaben einzuordnen und wurden in Tempeln als Weihgeschenke für Gottheiten dargebracht. Der Kult der Bastet war in ganz Ägypten verbreitetet, jedoch war der nach ihr benannte Ort Bubastis im östlichen Nildelta ihr Hauptkultort.
Die Figur ÄM 11385 ist ein herausragendes Beispiel für eine Votivgabe aus der Spätzeit. Die Bronzefigur zeigt eine sitzende Katze in aufmerksamer Haltung. Die bis auf die Pupillen weiß übermalten Augen verleihen der Figur besondere Lebendigkeit. Die Ohrlöcher deuten auf die ursprünglich vorhandenen Ohrringe hin. Beim Ankauf in Mailand trug sie goldene Ohrringe, die jedoch eine moderne Ergänzung waren. Eine dreireihige Kette ist um den Hals der Katze eingraviert, an der ein Anhänger in Form eines Udjat-Auges befestigt ist. Auf der Kopfmitte ist ein Skarabäus zu sehen. Der Skarabäus und das Udjat-Auge verweisen auf den Sonnengott Re, dessen Tochter Bastet in der ägyptischen Mythologie war.
Die Katzenstatuette wurde 1893 von Richard Kaufmann in Mailand für das Ägyptische Museum und Papyrussammlung angekauft.
Standort: Das Objekt ist in Raum 011 (Ebene 0) im Neuen Museum ausgestellt.
Museum: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung im Neuen Museum
Beschreibung: Figur der Göttin Bastet als Katze
Herstellungsort: Fundort unbekannt, Ägypten, Spätzeit, 26. Dynastie, Necho II., 610–595 v. Chr.
Maße: 22,5 x 8,7 x 17 cm
Beitrag von: Jessica Knebel
Mit den folgenden Objekten soll die Rolle von Hauskatzen auf Münzen und Medaillen schlaglichtartig beleuchtet werden. Raubkatzen, besonders Löwen, finden sich auf Münzen schon seit dem Anfang der Münzprägung. Bereits die frühesten Elektronmünzen aus Sardis aus dem 7. Jh. v. Chr. zeigen den Kopf eines Löwen.
Die gemeine Hauskatze war zu dieser Zeit bereits weit verbreitet. Mit Sicherheit konnte man sie auf den meisten Höfen und Schiffen sowie den Straßen der antiken Städte antreffen. Obwohl sie das alltägliche Leben für Menschen sicherlich mehr prägten als ihre größeren Verwandten bleiben letztere dennoch in der Bildkunst dominant. Das kann sicherlich auf kulturelle Gründe – der Löwe als erhabenes und mächtiges Tier sowie als ultimative Trophäe auf der Jagd – sowie mythisch-religiöse Traditionen – der Nemäische Löwe bzw. das Fell desselben, das Herakles als Bekleidung dient – zurückgeführt werden.
Während Katzen auf Vasen und anderen Medien gelegentlich dargestellt werden, fehlen sie in der Münzkunst fast gänzlich – auch in Ägypten! Zwei Ausnahmen finden sich auf zwei Münztypen aus Tarent und Rhegion, griechische Kolonien im heutigen Italien.
Zu sehen ist hier ist eine Didrachme (eine doppelte Drachme aus Silber) aus Tarent, eine Einheit die das Hauptnominal – also die wichtigste Münzeinheit – der Stadt bildete. Auf der Vorderseite ist der Stadtgründer, Phalanthos, dargestellt, der auf einem Delphin reitet und von einem Fisch begleitet wird. Dabei handelt es sich um ein gängiges Motiv dieser Stadt, das bereits seit über einem Jahrhundert auf den Münzen erscheint.
Auf der Rückseite ist ein nackter Jüngling abgebildet, der auf einem Hocker sitzt. In der linken Hand hält er ein Ölgefäß und den zugehörigen Schaber (die strigilis) – dabei handelt es sich um antike Instrumente zur Körperreinigung im Gymnasion (einem öffentlichen Ort für Sport). Mit der rechten Hand hält der Jüngling eine Spindel mit einem Faden und spielt mit einer kleinen Katze, die sich vor ihm aufrichtet.
Der nackte sitzende Mann findet sich nur in einem relativen engen Zeitfenster auf den Münzen der Stadt. Begleitet von Tieren tritt er auf Münzen von 430-425 v. Chr. auf – es gibt auch eine kleine Zahl von Münzen, auf denen der sitzende Mann mit einem Hund spielt. Die Katze erscheint somit zwar nur kurz, aber prominent auf hochwertigen Prägungen.
Wir sehen hier eine Szene, in der ein idealisierter junger Mann der Stadt, in einen mundanen Alltagskontext gesetzt wird. Der Kontext des Gymnasiums mit der Reinigung des Körpers ist ebenso gewöhnlich, wie das Spiel mit einem Kätzchen. Die Art wie der junge Mann auf der Rückseite mit der Katze spielt unterscheidet sich nicht von der heutigen Zeit. Die Münze unterstreicht damit anschaulich, dass sich wie ähnlich die Rolle der Katzen und die gesellschaftliche Sicht auf diese felligen Freunde schon vor über 2400 Jahren war.
Museum: Münzkabinett
Material: Didrachme aus Silber
Herstellungsort: Italien, 425–415 v. Chr.
Maße: Gewicht: 7,88 g. Durchmesser: 23 mm. Stempelstellung: 11h
Beitrag von: Leonard Brey
Bei diesem Stück, das im antiken Rhegion und damit dem modernen Reggio Calabrio geprägt wurde, handelt es sich um eine Tetradrachme (eine vierfache Drachme aus Silber). Es ist also ein höherwertiges Nominal, welches zwar nicht ultimativ selten, aber im Alltag weniger häufig Anwendung fand (ähnlich einem 100€-Schein).
Die Vorderseite zeigt einen Löwenskalp – also das gehäutete Fell eines Löwen, das als Bekleidung (als Mantel oder als Kopfbedeckung) getragen werden könnte. Auf der Rückseite sehen wir Iokastos (einen myhtischen „König“, der in die Gründung der Stadt involviert war), dessen Gewand um die Hüfte gelegt ist. Er ist bärtig und damit reifer dargestellt und hält in der rechten Hand einen langen Stock. Unter seinem Stuhl spielt eine Katze mit einem kleinen Bällchen. Analog zur tarentinischen Münze ist die Katze nur eines von mehreren Attributen und erscheint nur für einen kurzen Zeitraum.
Die Bedeutung der Katze ist hier weniger klar als beim vorherigen Stück aus Tarent: Es handelt sich bei Iokastos eben nicht um einen „Bürger“, es handelt sich nicht einmal um einen Menschen, sondern eine mythisch-heroische Figur aus der religiösen Sphäre. Die Figur interagiert auch nie mit der Katze – der Vierbeiner ist nur ein herausgelöstes Bildelement. Iokastos wird zudem auf den meisten Münzen ohne Katze dargestellt. Meist sitzt er allein, selten steht ein Vogel unter seinem Stuhl.
Die Katze ist also eine Art Chiffre, die die Bedeutung der Szene akzentuiert – deren genaue Bedeutung aber für uns heute nicht mehr nachvollziehbar ist. Es wird aber deutlich, dass die spielende Katze ein bekanntes und verständliches Bild war. Wenngleich wir um den genauen Aussagewert rätseln, bezeugt diese Münze die Rolle der Katzen als mehr als nur ein Nutztier zur Schädlingsbekämpfung.
Museum: Münzkabinett
Material: Tetradrachme aus Silber
Herstellungsort: Italien. 435–425 v. Chr.
Maße: Gewicht: 17,07 g. Durchmesser: 26–29 mm. Stempelstellung: 11h. Geprägt
Beitrag von: Leonard Brey
Auch im antiken Rom waren Katzen stete Begleiter der Menschen. Katzengebeine finden sich in Siedlungen und Militärlagern. Außerdem werden die Vierbeiner auf Mosaiken und auch Reliefs dargestellt. Doch auf den Münzen fehlen sie gänzlich und werden nur durch größere Raubkatzen, wie Löwen oder Panther, vertreten.
Im Mittelalter bleibt dieser Umstand gleich. Der Löwe wird für Wappen sehr gerne genutzt, doch die kleineren Hauskatzen finden keinen Platz auf den Währungen dieser Zeit. Das hängt auf der einen Seite mit der Bildsprache der Zeit zusammen, aber auch mit einer negativeren Bewertung der Katze durch Aberglauben und kulturelle Konventionen.
Mit der Neuzeit und dem Aufkommen der Medaillenkunst ändert sich dieser Umstand drastisch und je näher wir der heutigen Zeit kommen, desto breiter wird das Spektrum an Katzendarstellungen auf Münzen und Medaillen.
Hier ist eine barocke Silber-Medaille des Goldschmieds und Medaillenkünstlers Sebastian Dadler zu sehen. Bei Medaillen handelt es sich um Objekte, die zwar in ihrer zunächst runden Form und Materialität aus Bronze, Silber und/oder Gold den Münzen ähneln, aber sich darin unterscheiden, dass sie nicht für den Geldumlauf oder als Zahlungsmittel intendiert waren. Es handelt sich viel mehr um kleine Kunstobjekte, die oftmals dazu dienen Personen, Institutionen, Gebäude, Ereignisse und Konzepte zu ehren und zu verewigen.
Die Vorderseite zeigt eine erotische Szene, in der sich ein Kavalier mit einer fast gänzlich entkleideten Frau küsst. Die Kleidung sowie die Haar- und Barttracht sind ganz im Stil ihrer Zeit und identifizieren beide Personen als modisch und gut situiert. Vor ihnen befindet sich ein reich gedeckter Tisch mit Speis und Trank sowie zwei eng zusammensitzenden Tauben. Die Umschrift liefert die Deutung für die Szene: SUSTINEMUR CONCORDIA – Wir werden aufrecht erhalten durch die Eintracht.
Alle Elemente des Bildes unterstreichen dieses Motiv der Eintracht. Das sich liebende Paar, dessen Nähe weiter dadurch unterstrichen wird, dass die Dame den Hut des Herren trägt und ihn an sich heranzieht. Essen und Trinken sind reichlich vorhanden und auch die Tauben turteln miteinander.
Die Rückseite bildet das Gegenstück zur Vorderseite:
Eine runzlige ältere Frau greift einem Greisen in den Bart und schlägt auf ihn ein. Er greift in ihre Haare im Versuch sie von sich zu ziehen. Vor ihnen befindet sich ein Tisch auf dem ein zerbrochener, umgestürzter Krug liegt, dessen Inhalt sich auf den Tisch ergießt. Daneben kämpfen ein Hund und eine Katze miteinander. Die Legende fasst das Bild gut zusammen: CONCORDIA PESSUMIMUS – Durch Zwietracht erleiden wir das Schlimmste.
Wir haben es also mit dem exakten Gegenteil zur Vorderseite zu tun. Ein altes Ehepaar, deren Klamotten einfach, vielleicht sogar ärmlich sind, kämpfen brutal miteinander. Auf dem Tisch gibt es kein Essen, das Getränk ist verschwendet. Auch die Tiere raufen sich „wie Hund und Katz‘“.
Hier wird die Katze von einer eher negativen Seite dargestellt. Die lebendige Darstellung der Katze im Kampf mit einem Hündchen lässt den Betrachter das Fauchen und Schreien der Katze schon fast hören. Das Stiften von Unruhe und Unfrieden ist doch auch ein Teil des Wesens von Katzen und wird anschaulich auf dieser Medaille in Szene gesetzt.
Museum: Münzkabinett
Material: Medaille aus Silber
Herstellungsort: Sachsen. 1627
Maße: Gewicht: 22,76 g. Durchmesser: 45 mm. Stempelstellung: 12 Uhr. Geprägt
Beitrag von: Leonard Brey
Eine weitere, aber aus Bronze gefertigte Medaille zelebriert auf der Vorderseite das Tierschutzgesetz sowie die Pariser Gesellschaft für Tierschutz. Die Vorderseite wurde zu einem nicht bekannten Zeitpunkt von Amédée Doublemard hergestellt. Ob er auch den Kranz für die Rückseite gestaltete, ist nicht klar. Innerhalb des Kranzes haben wir eine Widmung für eine Person, die diese Medaille vermutlich von der Pariser Gesellschaft für Tierschutz für Spenden, Dienste oder Leistungen erhielt.
Die Vorderseite zeigt Justitia – die Personifikation des Rechts – die auf einer getreppten Basis steht, die folgende Aufschrift trägt: SOCIÈTE PROTECTRICE DES ANIMAUX A PARIS – Gesellschaft für den Schutz von Tieren in Paris. Über ihrem Kopf ist ein kleiner Stern. Den rechten Arm hält sie schützend über die Tiere, die sie umgeben. In der linken Hand hält sie eine Waage und stützt sich auf eine Gesetzestafel, die das Tierschutzgesetz vom 2. Juli 1850 symbolisiert. Im oberen Feld fliegen drei Vögel, im unteren Feld stehen links ein Pferd und ein Hund, rechts ein Ochse und eine Katze. Alle wenden ihren Kopf der Justitia zu.
Die Rückseite zeigt einen breiten Lorbeerkranz. Im Inneren ist die Widmung „A MR COLLON 1903“ eingraviert.
Das Tierschutzgesetz von 1850, das auch Grammont-Gesetz genannt wird, wurde vom Präsidenten der Gesellschaft für Tierschutz, Jacques Delmas de Grammont, durchgesetzt. Es erwirkte, dass der öffentliche Missbrauch von Tieren straffällig wurde. Ein kleiner Schritt aus heutiger Sicht, jedoch der Ausgangspunkt für alle modernen Tierschutzgesetze Frankreichs.
Es ist anzunehmen, dass die Gesellschaft für Tierschutz Doublemard mit der Medaille beauftragte und diese dann mit einer personalisierten Gravur verlieh. Im Münzhandel sind immer wieder Stücke zu finden, die verschiedenen Personen zu unterschiedlichen Jahren übergeben wurden. Teilweise wird auch der Grund für die Verleihung miteingraviert, auf diesem Exemplar bleibt er jedoch ungenannt. Wir wissen nur, dass sie für einen nicht mehr genauer zu bestimmenden Monsieur Collon im Jahre 1903 intendiert war.
Es ist aus heutiger Sicht faszinierend, dass das Tierschutzgesetz von Anfang nicht nur Haustiere, sondern auch Nutztiere miteinbezog. Das kann vermutlich damit erklärt werden, dass die starke Trennung von Haustieren und anderen Tieren ein sehr modernes Phänomen ist, das in der Vergangenheit so nicht wirklich existierte. Auch Katzen und Hunde zählten als Nutztiere mit einer klaren Funktion.
Die Tiere auf der Medaille sind sehr lebensnah und kunstvoll wiedergegeben. Auch wenn die Katze unter dem mächtigen Ochsen und neben dem größeren Hund etwas untergeht, ist die Darstellung mit dem leicht geöffneten Mund und dem hochgestellten Schwanz sehr ausdrucksstark.
Museum: Münzkabinett
Material: Medaille aus Bronze
Herstellungsort: Frankreich. 1903.
Maße: Gewicht: 36,46 g. Durchmesser: 42 mm. Stempelstellung: 12 Uhr. Geprägt
Beitrag von: Leonard Brey
Mit diesen beiden Stücken reisen wir quasi zurück in die Gegenwart. Diese beiden Münzen wurden 2015 anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Schlacht von Waterloo geprägt. Es handelt sich um eine 10,00 € aus Silber und eine 2,50 € Münze aus Kupfer-Nickel, die von der belgischen Nationalbank ausgegeben wurden.
Die Vorderseiten zeigen die Mitgliedstaaten der Europäischen Union, das Nominal und das prägende Land, Belgien. Die Rückseiten zeigen unterschiedliche Motive:
Die 10 € Münze zeigt Arthur Wellesley, den Duke of Wellington, und Henry Paget, den Earl of Anglesey, die zu Pferd nach links reiten. Der Duke of Wellington ist in einer kommandierenden Pose dargestellt. Links wird der verwundete Wilhelm II., der künftige König der Niederlande, von vier Soldaten fortgetragen. Beide Szenen sind im Münzfeld viertieft, sodass sich links die Silhouette von Napoleon Bonaparte abzeichnet.
Die 2,50 € Münze zeigt den sogenannten Löwenhügel. Das Monument wird von einem Löwen bekrönt, der eine Tatze auf einen Globus legt. Unterhalb des Monuments ist schematisch die Truppenpositionierung der Schlacht von Waterloo angegeben.
Tatsächlich sind der Löwe oder das Thema nicht Grund für die Auswahl dieser beiden Münzen. Betrachten wir erneut die Vorderseiten der beiden Münzen sehen wir zwei kleine Symbole unterhalb der schematischen Wiedergabe von Griechenland. Das erste Symbol ist der behelmte Kopf des Erzengels Michael, mit einem kleinen Kreuz an der Spitze des Helmes. Dieses Symbol weist den Prägeort, Brüssel, aus.
Das zweite Symbol ist eine kleine, sitzende Katze. Dabei handelt es sich um das persönliche Symbol des Münzdirektors der belgischen Nationalbank Bernard Gillard, der das Amt von 2012 bis 2016 bekleidete.
Grund für die Wahl dieses Bildes ist nach seinen eigenen Angaben die Liebe zu Katzen und die große Bedeutung, die die Vierbeiner in seinem Leben hatten. Für vier Jahre wurde der kleine fellige Freund auf den belgischen Gedenkmünzen ausgeprägt und in Sammlerkreisen freudig diskutiert.
Links
Museum: Münzkabinett
Material: 2,5-Euro-Münze aus Kupfer-Nickel
Herstellungsort: Belgien. 2015
Maße: Gewicht: 11,0 g. Durchmesser: 26 mm. Stempelstellung: 12 Uhr. Geprägt
Beitrag von: Leonard Brey
Rechts
Museum: Münzkabinett
Material: 10-Euro-Münze aus Silber.
Herstellungsort: Belgien. 2015
Maße: Gewicht: 18,75 g. Durchmesser: 33 mm. Stempelstellung: 12 Uhr. Geprägt
Beitrag von: Leonard Brey
Das Gemälde wurde 1507 von Marco Marziale, einem Schüler von Gentile und Giovanni Bellini, für den Juristen Tommaso Raimondi (gestroben 1510) geschaffen. Es handelt sich um eine zweite Version nach einem heute verlorenen Prototyp von Giovanni Bellini aus dem Jahr 1490. Marziale war um 1500 vor allem in Venedig und Cremona tätig.
Dargestellt ist das Abendmahl in Emmaus unter einer Weinlaube, eingebettet in eine oberitalienische Landschaft. Im Hintergrund ist Christus mit den beiden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus zu sehen. Im Vordergrund sitzt Christus im Zentrum hinter einer schlichten, bildparallel ausgerichteten Tafel mit weißem Tischtuch. Er bricht und segnet das Brot. Direkt neben ihm stehen auf der einen Seite der Stifter Raimondi und auf der anderen vermutlich dessen Sohn Marco. Die beiden Jünger sitzen an den Schmalseiten des Tisches und tragen – wie Christus – die Kleidung von Pilgern.
Ein zentrales Thema des Gemäldes ist Erkenntnis: In diesem Moment erkennen die Jünger Jesus als den auferstandenen Herrn. Das Lukasevangelium beschreibt die Szene mit den Worten:
„Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach’s und gab’s ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn.“ (Lukas 24, 30–31)
Im Gegensatz zu den Jüngern lässt sich der Auftraggeber Raimondi als humanistischer Gelehrter darstellen. Er trägt ein Barett, einen kostbaren hermelingefütterten Mantel, führt einen Stab und trägt einen Siegelring. Das Gemälde – Katalognummer 1 der Gemäldegalerie – ist in dieser Hinsicht außergewöhnlich: Es zeigt einen frommen, zugleich selbstbewussten Stifter, der an der Seite Christi am Abendmahl im Freien teilnimmt und dabei auf das Sakrament und seine liturgische Bedeutung verweist.
Christi Haltung, mit einem kugelförmigen Brot in der linken Hand, erinnert an traditionelle Darstellungen des Erlösers. Zugleich bleibt die Nähe zwischen Christus, den Jüngern und der Familie des Stifters eigentümlich distanziert: Ihre Blicke kreuzen sich nicht, sondern gehen aneinander vorbei. Diese Spannung wird aufgelockert durch zwei Tiere: Im linken Vordergrund bittet ein Hund um Essensreste, rechts sitzt eine Katze am Stuhlbein. Wie Christus blickt auch sie aus dem Bild heraus direkt zu den Betrachtenden. Mit ihrer Pfote berührt sie das gemalte Cartellino, auf dem der Künstler die Pappelholztafel signiert und datiert hat – und weist die Szene damit ausdrücklich als Kunstwerk aus.
Museum: Gemäldegalerie
Künstler, Titel: Marco Marziale, Christus in Emmaus, 1507
Material: Pappelholz
Maße: 119,5 × 149 cm
Beitrag von: Marie-Luise Hugler
Katzen blicken auf eine lange und facettenreiche Geschichte des Zusammenlebens mit dem Menschen zurück. Diese Online-Ausstellung versammelt eine faszinierende Auswahl von Objekten aus den Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin und eröffnet eine thematische, experimentelle Perspektive: die Figur der Katze.