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Dies ist ein Fragment des "CulturalxCollabs - Weaving the Future" Teppichs.
Mit dem Fragment folgen wir der Reise der Besitzer:innen und ihrer Collabs. Sie entdecken und experimentieren mit gesellschaftlich relevanten Themen, die sie auf kreative Weise vorantreiben.
Hier stellen wir Euch das Fragment vor, so wie wir es auf seine dreieinhalbjährige Reise schicken.
Folg dieser Story und erleb die Transformation des Fragments im Laufe der Jahre...
Vielleicht genügt es, für sich selbst zu wissen, dass unser „Tun und Sein“ Gestalt annimmt, indem wir mit jeder Begegnung, jeder Handlung und jeder Entscheidung an einem Bild mit weben. Eines, das größer ist als wir. Das Fragment #79 inspirierte mich dazu, diesen Gedanken auf unserer Farm künstlerisch umzusetzen.
Ich erhielt Fragment #79 durch die Nominierung meines lieben Freundes und Künstlerkollegen Waref Abu Quba. Ich bin eine deutsche Schauspielerin mit iranischen Wurzeln; aufgewachsen zwischen Perserteppichen.
In meinem Kopf herrscht ein Flickenteppich: Gedanken drängen sich in den Vordergrund und verschwinden wieder. Sei es, dass ich als „halb“ Iranerin schon immer versucht habe, den Faden zu meiner Herkunft aufzunehmen. Doch dieser Faden führt über Grenzen, die ich bislang nicht überschreiten durfte.
Oder beim Versuch der Beschreibung dieses Projekts, wenn der „rote Faden“ kurz auftaucht, aber sofort wieder verschwindet und ersetzt wird durch das Gefühl, selbst nur ein Fragment zu sein.
Ich habe nicht alles selbst im Griff. Handlungen sind verwoben und verknüpft, wie ein Teppich aus dem 17. Jahrhundert. Der Faden kennt seine Richtung, aber nicht das Muster. Ich suche Vollständigkeit und mir wird klar, dass es nicht allein meiner Handlungen bedarf, sondern dass alle Menschen in meinem Umfeld an diesem, „meinem Teppich“, weben.
Auch Fragment #79 trägt seine Verletzungen. Stellen des Teppichs, die durch eine Bombe verbrannt wurden, sind mit weißer Seide nachgeknüpft. Die Beschädigung ist nicht verschwunden. Sie ist sichtbar geblieben und Teil des Teppichs geworden.
Hochsommer, schweißtreibend. Die Kontur von Fragment #79 wird auf eine Wiese auf dem 1,6 Hektar großen Allmendina Gelände übertragen. Wir sehen nicht, was wir tun. Mit Rasenmäher und Scheren erahnen wir, wo wir in die hochgewachsene Wiese eingreifen dürfen und was wir stehen lassen, damit man später das Muster deutlich erkennen kann.
Allmendina ist ein Ort, an dem Kunst, Kultur und Ökologie miteinander verwoben werden. Nicht als voneinander getrennte Bereiche, sondern als unterschiedliche Fäden eines gemeinsamen Gewebes. So wird auch die Wiese zu einem künstlerischen Material. In diesem Fragment sind es nicht Fäden, die verknüpft werden, sondern Gräser und Blumen. Heuschrecken erschrecken sich.
Der Vorhang geht auf, die Drohne steigt nach oben. Mit zunehmendem Abstand wird das Abbild sichtbar: zuerst das in das Gras „gewobene“ Teppichfragment #79 als Ganzes, dann das Grundstück, selbst nur ein Fragment der umgebenden Landschaft, welche wiederum Teil des Rieds der Rheinregion ist. Grenzen lösen sich auf, Fragmente fügen sich zum Ganzen. Mit jedem Höhenmeter verschiebt sich die Frage, wie meine „verbrannten Stellen“ wohl aussehen würden, hin zu der Frage, was wir als Ganzes verstehen.
Das Fragment #79 erzählt nicht nur von Unvollständigkeit, sondern von Zusammenhang, Gemeinsamkeit und möglicher Befriedung.
Ein Herzensdank an Dieter Krellmann für die Übertragung des Teppichmusters auf das Gelände und an Waref Abu Quba für die filmische Umsetzung.
Ich freue mich sehr, Teil des inspirierenden Projekts CulturalxCollabs – Weaving the Future zu sein. Mit dieser Arbeit ist eine besondere Fläche entstanden, die die Natur jetzt weiter webt. Sie hat für uns eine besondere Bedeutung bekommen und kann Ausgangspunkt für Inspiration und weitere gemeinsame, künstlerische Arbeiten sein, die erst aus der Vogelperspektive sichtbar werden. Fragment #79 hinterlässt damit nicht nur ein Bild, sondern eröffnet einen Ort für neue Geschichten.
Als Fragment #79 des historischen kaukasischen Drachen-Teppichs in meinem Atelier eintraf, fühlte es sich wie eine wundervolle Begegnung zwischen meiner Kunst und meinem kulturellen Erbe an. Das Museum für Islamische Kunst hatte sich an mich gewandt, nachdem es meine digitale Serie „For the Love of Carpets“ entdeckt hatte, in der ich gewebte Teppiche mithilfe von Animationen zum Leben erwecke. Diese Faszination reicht bis in meine Kindheit in Syrien zurück, wo in fast jedem Haushalt diese wunderschönen Teppiche Teil des Alltags und der Familienerinnerungen sind. Als Kind verbrachte ich Stunden damit, sie anzustarren und Gesichter von Superhelden und Bösewichten zu zeichnen, inspiriert von den Formen, die ich in ihren komplizierten Mustern zu erkennen glaubte. Als ich 2014 wegen des Krieges in Syrien nach Deutschland zog, war eines der ersten Dinge, die ich tat, der Kauf eines Teppichs im persischen Stil. Ich brauchte dieses haptische Stück Tradition, um mich in meiner neuen Heimat zu verankern.
Das Gefühl, ein Stück des „Dragon Carpet“ in meinen Händen zu halten, inspirierte mich dazu, drei neue Videoarbeiten zu schaffen. Jede davon nähert sich dem Fragment auf unterschiedliche Weise durch Animation und setzt sich dabei mit den Themen Erinnerung, Wiederholung und Rekonstruktion auseinander.
Dieses Video ist ein kontemplativer Akt der digitalen Restaurierung. Der ursprüngliche „Drachen-Teppich“ aus dem 17. Jahrhundert wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Uns sind eine vollständige Schwarz-Weiß-Fotografie aus der Vorkriegszeit sowie die erhaltenen, farbenfrohen, aber zerstörten Fragmente aus der Nachkriegszeit geblieben. In diesem Zeitraffer habe ich die erhaltenen Farbfragmente über das Archivbild aus der Vorkriegszeit gelegt und mithilfe von KI koloriert und die Lücken überbrückt. Das Ergebnis ist kein Anspruch auf historische Wiederherstellung, sondern eine künstlerische Reflexion über Erinnerung, Verlust und den Wunsch, wieder Ganzheit zu erfahren.
Nun ist es an der Zeit, das Fragment weiterzugeben. Ich habe meine liebe Freundin und Künstlerkollegin Anouschka Sarafzade nominiert. Wir sind beide Teil des Vereins Allmendina, einem gemeinschaftlichen Projekt, das sich mit Kunst, Ökologie und nachhaltigem Leben befasst. Ich bin mir sicher, dass Anouschka einen tiefgründigen Weg finden wird, die Geschichte dieses Teppichs in ihre zukunftsorientierte Vision von Natur und Gemeinschaft einzuflechten.
Fragment #79 war vom Sommer 2024 bis Mai 2025 unser Gast im Dr & Dr Culture and Food Lab in Berlin. Wir, Sahar und Forough Sodoudi, sind beide Wissenschaftlerinnen (Atmosphärenphysik und Geophysik) und haben nach vielen Jahren der Lehre, Forschung und des Forschungsmanagements beschlossen, unser Leben zu ändern und unsere Kultur zu präsentieren. Der Grund dafür war, dass die persische Kultur oft hinter Politik und Religion versteckt ist und ihre faszinierenden Aspekte in Deutschland nicht gut vertreten sind. Daher verließen wir unsere akademischen Positionen und gründeten 2019 das Culture and Food Lab, um die Feinheiten der persischen Kultur zu teilen.
Unser Food Lab ist ein lebendiger Raum, der sich der Feier der persischen Kultur durch authentische Küche und kulturellen Austausch widmet. Wir bemühen uns, sinnvolle Erfahrungen zu schaffen, die den Reichtum und die Gastfreundschaft der persischen Traditionen hervorheben.
Essen bringt Menschen zusammen und ermöglicht den kulturellen Austausch. Deshalb bieten wir Kochveranstaltungen, privates Fine Dining im persischen Stil, Catering, kulturelle Veranstaltungen und kulinarische Kulturreisen in den Nahen Osten an.
Fragment #79 erlebte ein Private Dining und stand an der Getränkebar, neben unseren persischen Zutaten Sekanjebin, Rosenwasser und ägyptischer Weide, die für unsere speziellen Longdrinks verwendet werden.
Einer unserer Gäste hat während eines Kochevents persisches Zereshk Polo (Reis mit Safrankruste, belegt mit karamellisierten Berberitzen und Pistazien) zubereitet.
Eine Gruppe internationaler Jurist:innen aus einem Unternehmen besuchte uns zu einem kulturellen Kochevent und wir erzählten ihnen die Geschichte des Fragments. Sie kochten mit uns und wir sprachen über verschiedene Kulturen des Nahen Ostens, da einige von ihnen einige Jahre im Nahen Osten verbracht haben.
Ein Tisch mit Fingerfood, präsentiert von Dr & Dr in der Wohnung von Ingrid und Thomas Jochheim in Berlin. Die Wohnung ist mit wunderschönen Kunstwerken gefüllt, die ihre Leidenschaft als Kunstsammler:in widerspiegeln.
Chemieschüler der Eckener-Gymnasium besuchten uns für einen Kochkurs. Wir untersuchten die chemischen Prozesse beim persischen Kochen und diskutierten über die Bedeutung des Essens als kulturelles Element. Die Schülerinnen und Schüler kamen aus verschiedenen Ländern, so dass es ein wirklich bereichernder kultureller Austausch war.
Ein privates Fine-Dining-Ambiente im Dr & Dr Culture and Food Lab für den Frühlingsempfang. Der Tisch ist mit Fragment #79, frischen Frühlingsblumen, kleinen Wassermelonen und zartem Kerzenlicht geschmückt. Aufgehängte Vogelkäfige über dem Tisch erinnern an Freiheit und nahöstliche Traditionen, während die Backsteinmauer mit der persischen Kalligraphie „Hier fließt die Liebe“ die Szene mit Wärme und kultureller Tiefe umrahmt. Ein Fest der persischen Gastfreundschaft in voller Blüte.
Das Fragment #79 liegt auf unserem Haftsin-Tisch, dem Herzstück der Norouz-Feier im Dr & Dr Culture and Food Lab. Norouz, das persische Neujahrsfest, markiert die Ankunft des Frühlings und ist tief verwurzelt in Themen der Erneuerung und Hoffnung. Auf dem Haftsin-Tisch stehen mindestens sieben symbolische Gegenstände, die alle mit dem Buchstaben „S“ auf Persisch beginnen - wie „sib“ (Apfel), „sir“ (Knoblauch) und „sabzeh“ (gekeimtes Grünzeug) -, die für Gesundheit, Wiedergeburt, Schönheit und Wohlstand stehen. Umgeben von Kerzen, Hyazinthen und traditionellen Elementen, spiegelt dieser Tisch sowohl den Geist der Jahreszeit als auch den Reichtum des persischen Kulturerbes wider.
Eine unvergessliche Feier zum 86. Geburtstag im Dr & Dr Culture and Food Lab, wunderbar kombiniert mit einem praktischen Kochkurs. Umgeben von wunderbaren, kultivierten Gästen mit reicher und wertvoller Lebenserfahrung teilten wir nicht nur persische Aromen, sondern auch bedeutungsvolle Gespräche und kulturellen Austausch. Die Anwesenheit von Fragment #79 verlieh dem Treffen eine symbolische Ebene, die unsere gemeinsamen Werte wie Erinnerung, Gastfreundschaft und menschliche Verbundenheit widerspiegelte. Ein Tag, der mit Lachen, Lernen und bleibenden Eindrücken gefüllt war.
Das Projekt des Museums für Islamische Kunst "CulturalxCollabs - Weaving the Future" feiert die transformative Kraft des kulturellen Austauschs und die gesellschaftlichen Verflechtungen, die uns alle vereinen. Alles, was wir lieben, geliebt haben und jemals lieben werden, stammt aus kulturellem Austausch, Migration und Vielfalt, oder wie wir es gerne nennen, #CulturalxCollabs.
100 Teppichfragmente, aus einer Replik des ikonischen Drachenteppichs geschnitten, werden die Welt bereisen (unterwegs mit DHL). Mit Hilfe der Collab-er werden die Fragmente #CulturalxCollabs bereichern, menschlichen Einfallsreichtum inspirieren, Gemeinschaft fördern und letztendlich zeigen, wie kultureller Austausch all unsere Leben bereichert.
Folg #CulturalxCollabs auf Instagram und erleb wie sich das Projekt entfaltet...
Begleite uns auf eine Reise mit 100 Teppichfragmenten, die dreieinhalb Jahre lang rund um die Welt reisen, vorübergehende Zuhause finden und dabei kulturelle Grenzen überbrücken. Vereint durch die Kraft persönlicher Geschichten fördern die Fragmente eine weltweite Gemeinschaft.
"CulturalxCollabs - Weaving the Future" - 1 Projekt, 100 Teppichfragmente. Folge ihrer Reise mit den immer wieder wechselnden Besitzer:innen innerhalb der nächsten 3,5 Jahre.
Ein kaukasischer Drachenteppich aus dem 17. Jh. - der Star des "CulturalxCollabs - Weaving the Future" Projekts. Aber wo ist der Drachen eigentlich?
Ein kaukasischer Teppich aus dem 17. Jahrhundert, halb zerstört durch eine Brandbombe im Zweiten Weltkrieg, wird zur Vorlage für einen Doppelgänger — gewebt 2022 von einer Familie in Rajasthan, Indien. Über 2,3 Millionen Knoten später reist er als 100 Fragmente in alle Welt. Dies ist die Geschichte, wie er entstand.